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Nachhaltiges Lernen

Das Problem:

«Schei**e! Nächste Woche haben wir Algebra Prüfung und ich habe noch nichts gelernt und diese Woche noch so viele andere Sachen zu erledigen. Das wird wieder knapp mit der Prüfung.»

Fast jeder Schüler oder Schülerin kennt es und auch die Eltern können davon ein Liedchen singen. Eine Prüfung wird oft Wochen im Voraus angesagt, aber gelernt wird meist, trotz den stetigen guten Vorsätzen, eher kurzfristig. Zum Glück gibt es YouTube und nette Mitschüler/innen, die dir noch in letzter Minute eine Zusammenfassung kopieren, damit Du die Prüfung doch noch irgendwie bestehen kannst. Falls Du dieses Szenario nicht kennst, bravo! Mir auf alle Fälle ging es bisher in gefühlten 90% meiner geschriebenen Prüfungen so.

Wenn die Prüfung bestanden wird, hat man trotz all dem Stress ein stolzes und gutes Gefühl! Zum Glück hat’s wieder gereicht und das Thema ist erledigt. Kein Gedanke wird mehr an den komplizierten Stoff gegeben und die Freizeit Aktivitäten können wieder aufgenommen werden oder es wird wieder für die nächste Prüfung kurzfristig gebüffelt. Zwei Jahre später kommt jedoch das jüngere Geschwister zu dir ins Zimmer und möchte, dass Du ihm/ihr das Thema erklärst, dass du vor zwei Jahren hattest und eigentlich noch können solltest. Voller Übermut und Tatendrang versuchst Du ihr/ihm dann zu helfen, jedoch wird dir bei genauerem Studieren des Themas bewusst, dass du das meiste vergessen hast. Eine kleine Ausrede hat man dann natürlich gewöhnlich parat. «Ah, das ist einfach, aber wir haben das total anders gemacht, bringt jetzt nichts, dass ich dir das erkläre» oder «mit so einfachen Dingen setze ich mich jetzt nicht mehr auseinander, das ist doch logisch». Ein bisschen peinlich ist es Dir aber dann trotzdem, denn bei genauerem Betrachten des Stoffs des jüngeren Geschwisters, sind dir nur noch ein paar Begrifflichkeiten und Theorien bekannt gewesen. Die Prüfung würdest Du wohl im Moment nicht mehr bestehen.

Was Lehrer und Eltern empfehlen / der Wunsch:

Um diese Probleme von Stress vor der Prüfung und schnelleres Vergessen des Stoffs nach der Prüfung zu entgehen, setzen die Lehrer und Eltern immer auf die gleichen Theorien: Du sollst deine Hausaufgaben regelmässig erledigen und der gelernte Stoff soll immer wieder repetiert werden. Doch ist das wirklich das Einzige was man tun kann, um nachhaltig zu lernen?

Was ist wirklich nachhaltiges Lernen?

Um diese Frage zu klären, müssen wir uns einmal mit dem Begriff nachhaltiges Lernen beschäftigen. Nicht nur in der Politik wird aktuell viel über das Thema Nachhaltigkeit diskutiert, der Begriff Nachhaltigkeit (engl. sustainability) wurde in den letzten Jahren omnipräsent. Firmen verfassen Sustainability Reports, Bauern werben mit der nachhaltigen Produktion von Lebensmitteln etc.. Der Begriff Nachhaltigkeit wurde aber bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts verwendet, als es darum ging, dass im Wald nur so viel Holz geschlagen werden kann, wie der Wald in absehbarer Zeit wieder regegenerieren kann. Was aber hat das mit dem nachhaltigen Lernen zu tun? Dafür müssen wir ein wenig kreativ denken. Grundsätzlich geht es nämlich bei der Nachhaltigkeit immer um die Möglichkeit einer dauerhafte Bedürfnisbefriedigung durch die zur Verfügung stehenden Ressourcen, ohne diese zu zerstören. Wenn wir das also auf das Lernen abwälzen, geht es darum, dass wir den mühsam gelernten Stoff auch in Zukunft noch abrufen können. Aber wie können wir das schaffen, dass wir den oft trockenen Schulstoff auch in Zukunft noch nutzen können?

Best Practices

Eine Zauberformel gibt es dazu leider nicht. Jeder Mensch ist einzigartig und lernt auf eine andere Weise. Das Lernen ist ein Prozess der sehr kompliziert ist. Es gibt hunderte Studien im Zusammenhang mit Lernen und die meisten sind vollgepackt mit psychologischen und medizinischen Fachausdrücken, die uns nicht wirklich weiterhelfen. Fakt ist aber, dass das Lernen viel mit der Methodik und Emotionen zu tun hat. Regelmässiges Wiederholen des Stoffes ist sicher vorteilhaft und ein guter Tipp der Eltern, doch das allein genügt leider nicht. Ein Grund dafür ist, dass wir uns bei subjektiv  langweiligen Themen sowieso nicht konstant motivieren und konzentrieren können. Wie kann man es jedoch schaffen auch diese Themen irgendwie in den Kopf zu kriegen? Dazu gibt es glücklicherweise eine Vielzahl an Methoden, die ich dir nun gerne vorstelle:

1. Zusammenhänge erkennen:

Eine gute Methode ein Thema zu lernen ist, wenn du es mit einem Thema verknüpfst, dass dir gut liegt. Erstelle beispielsweise ein Mindmap und schreib alles auf, was dir zu diesem Thema in den Sinn kommt und ergänze es mit der Fachliteratur. Dadurch fallen dir vielleicht Schnittstellen zu ähnlichen Themen auf und mit etwas Kreativität fallen dir möglicherweise Szenarien ein, bei welchen der Stoff wirklich Sinn ergibt. Versuche ausserhalb starrer Muster zu denken! Du kannst Mindmaps von Hand oder online erstellen. Ich persönlich bin eher Fan von der Hand Variante, aber wie bereits erwähnt, jeder lernt anders. Falls du ein gutes Online Tool zur Erstellung von Mindmaps benötigst, kann ich dir dieses empfehlen:

https://coggle.it/

2. Youtube Videos und Podcasts

Hast Du auch bereits online nach Mathe oder Chemie Aufgaben recherchiert und dann ein Video gefunden, dass dir das Thema innerhalb von 15 Minuten besser erklärt, als deine Lehrperson in vier Wochen? Das ist gut möglich! Viele Lernpersonen unterrichten nicht nach deinem individuellen Geschmack. Verwende weiterhin Onlineressourcen, denn diese haben oft einen positiven Effekt, da sie mit visuellen Inhalten und kleinen Spielereien zu einen nachhaltigen Lernerfolg beitragen. Hier empfehle ich Dir, die Youtube Channels von Daniel Jung oder simpleclub zu nutzen. Wer eher der auditive Lerntyp ist, also der Mensch der sich eher das Gehörte einprägen kann, sollte Podcasts ausprobieren. Podcasts können auch nebenbei immer wieder mal angehört werden. Tipp: Kombiniere Videos und Podcasts, somit erhält dein Gehirn über verschiedene Kanäle Inputs und kann diese zu einem späteren Zeitpunkt besser einordnen und wiedergeben.

3. Teste dich und deine Freunde

Dieser Tipp ist mein persönlicher Favorit, wenn es darum geht eine Prüfung zu bestehen. Versuche dich in die Rolle der Lehrperson hineinzuversetzen. Frage dich, was würde mich wohl die Lehrperson fragen, damit sie mich bei der Prüfung aus der Reserve locken kann? Welche Kapitel hat die Lehrperson vor allem begeistert? Ziemlich sicher, stellt der Lehrer nämlich zu diesen Themen die schwierigsten Fragen und Du kannst dich somit besser damit auseinandersetzen. Wenn Dir das alleine nicht gelingt, versuche eine Diskussion mit deinen Schulfreunden zu führen und fragt euch gegenseitig etwas über das Thema ab. Aus meiner Erfahrung habe ich durch diese Methoden immer wieder Fragen entdeckt, die gleich oder sehr ähnlich derer an der Prüfung waren.

4. Schaffe eine gemütliche Atmosphäre mit regelmässigen Pausen

Du lernst immer nur zu Hause und kannst dich selten lange konzentrieren? Falls ja, probiere einmal eine andere Umgebung aus! Besuche die Bibliothek oder begib dich in einen anderen Raum, wo du dich konzentrieren kannst. Ablenkungen wie das Handy rate ich dir zu vermeiden, ausser du hörst nebenbei einen spannenden Podcast ?. Eine für dich passende Atmosphäre ist sehr wichtig, genauso wichtig, wie die Pausen, die Du dir hoffentlich immer wieder gönnst. Wie lange du konzentriert bleiben kannst und wie lange Du Pause machen solltest, ist wiederum eine sehr individuelle Angelegenheit. Ich persönlich mache im Normalfall nach ca. 90 Minuten eine halbstündige Pause und wiederhole dies maximal zweimal pro Tag.

5. Der Verschiebungskampf

Wir haben heute extrem viele Reize, die uns ständig umgeben und ablenken: Social Media, Netflix, Games etc.. Es ist deshalb umso wichtiger, sich ein wenig um das persönliche Zeitmanagement zu bemühen. Auch hier gibt es zig verschiedene Varianten, wie Du am besten vorgehen kannst. Ich persönlich rate Dir, dich mit den wöchentlichen Aufgaben jeweils kurz auseinander zu setzen, damit du abschätzen kannst, wie lange Du in etwa benötigen wirst. Plane ruhig etwas Puffer ein. Danach setzt Du die verfügbaren Tage und die Tageszeit fest. Es ist egal, ob Du am Morgen lernst oder am Abend, da das deine Sache ist. Versuche jedoch, mit der Eat-That-Frog Aufgabe zu beginnen. Das ist die Aufgabe, die für dich am unangenehmsten ist. Wenn Du dort Fortschritte erzielen konntest, wird der Rest ein Klacks. Ich habe es ausprobiert und ich wurde viel produktiver, da ich nicht ständig im Hinterkopf diese lästige Aufgabe mit mir herumschleppen musste.

6. Wiederholung

Zum Schluss muss ich den Eltern und Lehrpersonen leider recht geben. Ein grosser Teil des nachhaltigen Lernen besteht tatsächlich aus der Wiederholung. Vergleiche den Stoff mit einem Musikinstrument oder einer Sportart. Schlussendlich kannst Du nur besser werden, wenn Du regelmässig übst. Jedoch hoffe ich, dass ich Dir ein paar Methoden zeigen konnte, welche die Wiederholung ein wenig angenehmer machen.

Fazit:

Ich denke, dass perfekte Lernen gibt es wohl nicht. Jeder hat seine eigene Methoden mit welchen er/sie an die gewünschten Resultate kommen kann. Ich bin aber der Überzeugung, dass das nachhaltige Lernen heutzutage wichtiger ist, denn je. Es ist nicht mehr gefragt, etwas einfach stur auswendig zu lernen, vielmehr wird auf die Methodik wertgelegt, sich neues Wissen aneignen zu können und mit altem Wissen zu verbinden. Besonders die riesigen Informationsmengen die wir tagtäglich konsumieren, verlangen es, «das Sinnvolle vom Sinnlosen» zu trennen und es liegt an uns diesen «Filter» für uns persönlich zu setzen. Zum Abschluss noch mein Lieblingszitat zum Thema Lernen:  «Sinn kann nicht gegeben, sondern muss gefunden werden». (Zitat von Viktor Emil Frankl)